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Schweizer Stiftungsreport 2020: Schweiz behauptet sich als starker Stiftungsstandort

  • Autorenbild: Andreas Link
    Andreas Link
  • 19. Mai 2021
  • 3 Min. Lesezeit

Am Montag, den 17. Mai 2021 wurde der Schweizer Stiftungsreport 2020 veröffentlich. Das Gemeinschaftswerk von CEPS (Uni Basel), SwissFoundations (Dachverband der grossen Förderstiftungen) und dem Zentrum Stiftungsrecht an der Uni Zürich gibt einen guten Überblick über die Stiftungslandschaft Schweiz. Die Schweiz behauptet sich dabei einmal mehr als ein äusserst starker Stiftungsstandort, wenn auch die Politik im 2020 versäumt hat ihre Hausaufgaben zu machen, um den Standort langfristig zu stärken. Den Vergleich zu Deutschland müssen die Eidgenossen dennoch nicht fürchten.


Das «Corona-Jahr» 2020 hat den Stiftungssektor in der Schweiz in vielerlei Hinsicht in Bewegung gehalten. Es wurde weiterhin viel gegründet (284), aber auch sehr viele Stiftungen mussten liquidiert werden (210). In der Schweiz weist der am vergangenen Montag (17. Mai 2021) veröffentlichte «Stiftungsreport 2020» ein Total an 13´375 gemeinnützige Stiftungen aus.

Das Nettowachstum betrug somit 74 Stiftungen oder 0,6% im Vergleich zum Vorjahr.

Schweizer Stiftungen verwalten aktuell ein Vermögen von insgesamt fast CHF 100 Milliarden.


Vergleich mit Deutschland

Verglichen zum Nachbarland Deutschland zeigt sich an Hand dieser Zahlen, wie stark der Stiftungssektor in der Schweiz tatsächlich ist. Deutschland zählt bei einer etwa zehnfachen Einwohnerzahl aktuell 23´876 rechtsfähige Stiftungen, also nur etwa 10´000 Stiftungen mehr als die Schweiz, die dabei ebenfalls auf ein Stiftungsvermögen von geschätzten 100 Milliarden Euro kommen. Allerdings fällt das Wachstum in Deutschland in 2020 mit 2,8% deutlich stärker aus als in der Schweiz. Das ist auch für Deutschland Rekord – seit 2011 war das Wachstum nicht mehr so stark gewesen. Auf 100´000 Bundesbürgerinnen und Bundesbürger kommen in Deutschland 28,7 Stiftungen, in der Schweiz beträgt diese «Inzidenz» jedoch 154,2, also etwas mehr als das fünffache.


Der Kanton Genf verzeichnete in 2020 die meisten Neugründungen (46) und nicht wie man vielleicht vermuten würde, der «Bitcoin lastige» Kanton Zug (24), welcher jedoch eine hohe Stiftungsdichte aufweist. Mit 28,8 Stiftungen auf 10´000 Einwohner belegt der Kanton Platz drei hinter den Kantonen Glarus und Basel-Stadt, welcher mit 45,3 Stiftungen die höchste Stiftungsdichte aufweist.

Der Stiftungsreport stellt auch fest, dass die Lebensdauer der Stiftungen seit 2010 eine auffällig niedrige Zahl aufweist. Bei 3´673 Gründungen waren nach zehn Jahren bereits gut die Hälfte (52,2%) bereits wieder liquidiert.

Die Gründe: Klein- und Kleinststiftungen, aber auch vermehrt Verbrauchsstiftungen wurden seit 2010 gegründet, nicht zuletzt um der Dynamik einer sich wandelnden Gesellschaft gerecht werden zu können.


Frauen in der Führungsebene auf dem Vormarsch

Während sich in dieser Dynamik durchaus eine Reaktion auf sich ändernde gesellschaftliche Anforderungen zeigt, bleibt das Schweizer Stiftungswesen in anderen Bereichen stark traditionalistisch.

Von insgesamt 68´237 Stiftungsratsmandaten werden lediglich 30,9% von Frauen besetzt. Dabei suchen fähige und gut vernetzte Frauen aktiv verstärkt nach einem solchen Mandat, wie ich aus eigener Beratungspraxis weiss. Immerhin ist die Quote knapp über den bei Wirtschaftsunternehmen geforderten 30 Prozent, doch bleibt diese Quote, wie auch die der Präsidentinnen /21,5%) im Sinne eines wirkungsstarken Stiftungswesens ausbaufähig. Positiv anzumerken aber ist, dass sich die Frauenquote zum Vorjahr leicht gesteigert hat und auch

im Bereich der Geschäftsführung der Stiftungen man mit 37,5% auf dem Weg zur Parität ist.


Politik verpasst einmalige Chance

Die auf die Parlamentarische Initiative Luginbühl zurückgehende Stiftungsrechtsreform erfährt im letzten Jahr leider eine weitgehend ablehnende Reaktion der Rechtskommission des Ständerats. Vor allem steuerliche Verbesserungen für Zuwendungen aus dem Nachlass und die Möglichkeit eines Spendenvortrages auf spätere Veranlagungszeiträume, hätten den gemeinnützigen Sektor deutlich gestärkt, wie die Praxis in Deutschland zeigt.

Auch eine angemessene Honorierung der Leitungsorgane wurde überwiegend abgelehnt. Das von den Gegnern angeführte Hauptargument, dass damit heute eingesetzte Gelder zur gemeinnützigen Zweckverwirklichung in Zukunft fehlten, wiederlegt sich in der Praxis deutlich. Eine zunehmende Professionalisierung des Stiftungssektor bedeutet eben auch eine entsprechende Verfügbarkeit der Leitungsorgane und diese muss angemessen vergütet werden. Die Folge einer solchen Vergütung wäre eine wirkungsstärkere Verwendung der vorhandenen Mittel und ein besseres Controlling, was das Argument der Gegner in der Praxis wiederlegen würde.

Die Politik hat aus meiner Sicht damit eine grosse Chance zur Stärkung des Stiftungsstandortes vertan.


Insgesamt betrachtet sind die Rahmenbedingungen für Stiftungen in der Schweiz dennoch als sehr gut zu bezeichnen. Es lässt sich zum Beispiel deutlich einfacher gründen als in Deutschland, auch beim Thema der «Verbrauchsstiftung» war man dem Nachbarland immer voraus. Ebenfalls hervorzuheben ist der pragmatischere Umgang mit der Mehrwertsteuer, was den Stiftungen und gemeinnützigen Organisationen erheblich mehr Spielraum lässt als in Deutschland. Zuletzt schafft die in der Schweiz bestehende Revisionspflicht für alle Stiftungen eine hohe Transparenz und Kontrolle für die zweckmässige Verwendung der Mittel.



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Andreas Link

Bild: wix.com


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